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Der Ziegen-Steckbrief
In unserem Steckbrief finden Sie einige Zahlen und Fakten über Ziegen, ihre Zucht und ihre Produkte im Überblick. Die Angaben werden immer mal wieder ergänzt.

Ziegen  Ziegenzucht  Ziegenfutter  Ziegenprodukte 
Gattung: Säugetiere -> Paarhufer -> Wiederkäuer -> Hornträger -> Capra
Vorfahren: Bezoarziege, Markhornziege und Alpensteinbock
Tierzahl: rund 750 Millionen Ziegen weltweit
Ziegenrassen: rund 300 weltweit
Lebensdauer: 10-15 Jahre, vereinzelt bis 20 Jahre
Nutzungdauer: 4-8 Jahre








Mehr Ziegen - weniger Ziegenhalter

Der Ziegenbestand ist in der Schweiz in den letzten 10 Jahren um 20'000 auf gut 79'000 Tiere gestiegen. Demgegenüber hat die Zahl der Ziegenhalter zwischen 1999 und 2007 um rund 10% abgenommen. 6'638 Betriebe sind noch registriert. Im Durchschnitt steigt damit die Zahl der Tiere pro Betrieb. Die Haltung in Kleingruppen prägt aber nach wie vor das Bild. Über die Hälfte der Betriebe hat weniger als 5 Ziegen. Und nur rund jeder 10. Betrieb verfügt über mehr als 25 Tiere. Generell rar sind Ziegenböcke. Sie kommen mit rund 2'700 Exemplaren auf lediglich 3,5 Prozent des Gesamtbestandes.
Dreiviertel des Schweizer Ziegenbestandes ist im Berggebiet anzutreffen. Mit 14'000 Tieren lebten 2007 am meisten Ziegen im Kanton Bern. Dahinter folgten das Tessin mit rund 12'000 und das Bündnerland mit rund 10'000 Ziegen.
Knapp die Hälfte der Ziegen in der Schweiz wird für die Milchproduktion gehalten, wobei schätzungsweise nur rund die Hälfte der Milch zu Lebensmittel verwertet wird. Die Käseproduktion hat sich in den letzten acht Jahren fast verdoppelt (vgl. unten). Hingegen konnten sich andere Produkte aus Ziegenmilch (Konsummilch, Joghurt, Quark) bislang nur beschränkt durchsetzen. Ihr Anteil an der verwerteten Milchmenge liegt unter fünf Prozent. Quellen: LID, ALP, BfS
Und noch einen Blick rund um den "Ziegen-Globus": Über 90 Prozent der rund 750'000 Ziegen auf dieser Welt leben in Asien und Afrika. Das Land mit den meisten Ziegen ist China mit rund 180 Mio. Tieren. Die meisten Ziegen pro Kopf sind jedoch in der Mongolei zu finden. Hier kommen drei Ziegen auf einen Einwohner! Zum Vergleich: In der Schweiz kommen 100 Einwohner auf eine Ziege.
In der EU werden rund 12 Mio. Ziegen gehalten. Beinahe jede zweite Ziege lebt in Griechenland (rund 5 Mio). Weitere Ziegenhochburgen sind Spanien, Frankreich und Italien.

 






Rassenvielfalt trotz Reduktion

Die Standards für die 10 anerkannten Schweizer Ziegenrassen legte man erst vor rund 70 Jahren fest. Alle vorhandenen Ziegen wurden diesen Rassen zugeteilt. Zuvor hatte jede Region ihre eigene Ziege gezüchtet. Die Zahl der Rassen ging damit rapide zurück.
Aber auch mit den 10 verbliebenen Rassen ist die Schweiz noch gut bestückt: In den USA gibt es gerade einmal 3 einheimische Ziegenrassen. Neben einmaligen Einschnitten in die Rassenvielfalt wie in der Schweiz trägt auch die technische Entwicklung zum weltweiten Rückgang der Nutztierrassen bei. Rassen verschwinden, da heute der männlichen Samen in alle Welt transportiert werden kann. Wer leistungsfähige Tiere sucht, muss nicht mehr unbedingt auf einheimische Rassen zurückgreifen.







Ziegenmilch und -käse immer beliebter!

Immer mehr Ziegenkäse auf den Ladentheken...

Ziegenmilch ist gesund! Die Ziegen sorgen mit ihrem äusserst wählerischen Fressverhalten dafür, dass nur das Beste in die Milch kommt.
Ziegen- und Kuhmilch sind sich in ihrer Zusammensetzung recht ähnlich. Ein wesentlicher Unterschied liegt in der Fettsäurezusammensetzung. Der deutlich höhere Anteil an Caprin- und Daprylsäure (im Vergleich zum Kuhmilchfett) ist der Ursprung für den unverkennbaren Ziegenmilch- bzw. Ziegenkäsegeschmack. Die grössere Zahl an kurz- und mittelkettigen Fettsäuren sowie die kleineren Fettkügelchen machen die Ziegenmilch leichter verdaulich. Ziegemilch hat auf 100 kcal hochgerechnet die allgemein höchste Mineralstoffdichte, vor allem bezüglich Kalzium und Phosphor. Ziegenmilch enthält wesentlich mehr Vitamin D, aber weniger Folsäuere und Vitamin B12. Der vergleichsweise tiefe Beta-Carotin-Gehalt führt zu der weisseren Farbe von Milch und Käse. Für Kuhmilch-Allergiker kann Ziegenmilch eine interessante Alternative sein. Die Verträglichkeit hängt jedoch davon ab, auf welche Proteinkomponente die Patienten allergisch reagieren. Ein diätischer Wert wird der Ziegenmilch aufgrund des hohen Anteils an Aminosäuren zugeschrieben.
Gemäss dem aid infodienst sollte Ziegenmilch aufgrund ihrer Zusammensetzung nicht an Säuglinge abgegeben werden. Dass mit Ziegenmilch das Ausbrechen von Allergien bei Kleinkindern vermieden werden könne, sei zudem eine Mär.

Ziegenkäse wird immer beliebter! Die Produktion befindet sich deshalb in einem Hoch. Sie hat sich in den letzten acht Jahren beinahe verdoppelt (403 t: 2000; 698 t: 2005; 801t: 2007). Viele verschiedene Geisskäsesorten sind heute schon erfolgreich auf dem Markt. Die Forschungsanstalt Agriscope Liebefeld-Posieux ALP führt dazu eine Kundenbefragung durch. Der Test hat zum Ziel, herauszufinden, wer die Konsumentinnen und Konsumenten von Schaf- und Ziegenkäsespezialitäten sind und welche ihre Geschmackserwartungen sind. Mehr Informationen finden Sie unter www.alp.admin.ch.

Die Inhaltsstoffe der Ziegenmilch variieren nach Jahreszeit, Rasse, Futter- und Haltungsbedingungen. Es sind deshalb in der Literatur unterschiedliche Angaben nachzulesen. Die nachfolgenden Daten wurden zusammengestellt aus Angaben bei www.oekolandbau.de und sowie Brigitte Kengerter "Die Bedeutung von Ziegenmilch für die menschliche Ernährung". Interessant bleiben die Mengenverhältnisse zwischen Ziegen-, Schaf- und Kuhmilch (je 100g):

 

Hauptnährstoffe

  Energie Fett Eiweiss KH Salz Protein Wasser
Ziege 240 kJ 3.92 g 3.5 % 4.7 g 0.8 % 3.6 g 86.6 g
Schaf 430 kJ 6.26 g 4.6 % 4.7 g 1.0 % 5.2 g 82.7 g
Kuh 280 kJ 3.80 g 3.5 % 4.7 g 0.7 % 3.3 g 87.7 g

Vitamingehalt (mcg)

  A D E B1 B6 B9 B12 C
Ziege 68 250 100 49 27 0.8 70 2000
Schaf 50 160 200 48 80 5 510 4300
Kuh 32 74 100 37 36 6.7 420 1700

Mineralstoffgehalt (mg)

  Natrium Kalium Calcium Phosphor Magnesium Jod Eisen
Ziege 42 181 127 109 11 0.004 0.04
Schaf 30 182 183 115 11 0.01 0.07
Kuh 48 150 120 92 12 0.003 0.05



Im Gegensatz zu den Ziegenmilchprodukten, die sich einer zunehmenden Beliebtheit erfreuen, bleibt der Konsum von Ziegenfleisch bescheiden. Der Durchschnittsverzehr liegt in der Schweiz bei rund 100g pro Einwohner/in. Es handelt sich dabei fast ausschliesslich um Gitzi-Fleisch. Die Schlachtung erfolgt im Alter von sechs bis acht Wochen, sobald die jungen Ziegen ein Körpergewicht von zehn bis zwölf Kilogramm erreicht haben. Gegessen wird das Gitzifleisch meist an Ostern. Das Fleisch der Alttiere wird teilweise zu Würsten oder Trockenfleisch verarbeitet.







Der Ziegen-Kuh-Vergleich

Milchziegen verfügen über ein enormes Leistungspotential. Dies zeigt der Vergleich mit Kühen: Ziegen geben pro Kilogramm Körpergewicht rund 50 Prozent mehr Milch!

Eine Durchschnittsziege gibt 14.8 Liter Milch pro Kg/Jahr, eine Kuh dagegen lediglich 10.3 Liter. Bei den Hochleistungsziegen wird der Unterschied gar noch leicht grösser. Eine Ziege gibt dort 21.4 Liter pro Kg/Jahr, eine Kuh 13.7 Liter. Quelle: www.felixjordiag.ch

 






Mit wachen Augen und flinken Lippen

Bei Ziegen läuft vieles über die Lippen. Denn der Geruchs- und Tastsinn ist dort besonders ausgebildet und dient insbesondere der Nahrungsselektion. Und nicht nur dies: Mit den beweglichen Lippen werden die begehrten Pflanzenteile erfasst, zwischen Kauplatte und Schneidezähne geschoben und mit schnellen Vor- und Aufwärtsbewegungen des Kopfes abgerissen; anschließend wird der Bissen mit ein paar Kauschlägen grob verkleinert und heruntergeschluckt.
Ziegen sind Fluchttiere und deshalb stets auf der Hut. Dank ihren horizontalen Pupillenschlitzen verfügen sie über ein weites Gesichtsfeld und damit eine ausgezeichnete Rundumsicht (ca. 270°). Die hauptsächlich vertikal erfolgende Verengung der Pupille ermöglicht der Ziege auch an sonnigen Tagen gute Sichtverhältnisse. Im Vergleich zum Menschen sehen Ziegen hingegen im Dunkeln schlechter.







Die Individualisten unter den Herdetieren

Ziegen sind Individualisten - Schafe sind "Teamplayer"

Ziegen sind Herdetiere, die in ihrer Umgebung zwingend Artgenossen brauchen. Die Einzeltierhaltung ist deshalb gemäss Tierschutzgesetz verboten. Allzu grosse Gruppen entsprechen allerdings ebenfalls nicht dem Naturell der Ziegen. Im natürlichen Herdeverband würden sich vielmehr Kleingruppen von 20 bis maximal 50 Tiere bilden.
Ziegen sind aber auch die "Freigeister" unter den Herdetieren. Sie haben - etwa im Vergleich zu den Schafen - eine grössere Selbständigkeit in der Herde. Auf der Weide bilden sie in der Regel keine geschlossene Gruppe, sondern verteilen sich gleichmässig und sind viel in Bewegung. Sie beobachten ihre Umgebung stärker. Jede Veränderung wird neugierig registriert und darauf reagiert. Schafe besitzen demgegenüber einen ausgesprochene starken Herdetrieb. Bei Gefahr rennen die Schafe meist blindlings dem Leittier nach.
Ziegen leben auch in stärkeren Rangordnungen wie die Schafe. Dementsprechend ist der Kampf um die Vormachtstellung härter. Die Hierarchien werden mit Drohgebärden und Kampf ausgefochten.

 






Ziegen sind clever, aber vergesslich...

Das Forschungsinstitut für die Biologie landwirtschaftlicher Nutztiere (FBN) in Dummerstorf untersucht das visuelle Lernvermögen von Nutztieren mit Hilfe von Zwergziegen. Was sind die bisherigen Erkenntnisse?
Ziegen reagieren auf primäre Verstärker in Form einer Belohnung wie auch auf sekundäre Verstärker (Ton) und eine Kombination von beiden. Sie können sogar ähnliche Symbole zuordnen (sog. "Transferaufgaben").
Ziegen vergessen aber relativ schnell. Nach sechs Wochen müssen sie Verhaltensweisen neu lernen. Sie brauchen dann aber weniger Zeit wie das erste Mal.
Das Erlernen von Aufgaben ist zwar mit Stress verbunden. Nach den Beobachtungen des Forschungsinstituts kann jedoch das Meistern von Lernaufgaben das Wohlbefinden der Tiere steigern. Quelle: www.innovations-report.de







Liebenswerte Meckerer

Ziegen haben einen eigenen Charakter. Ihn zu umschreiben, ist nicht einfach. Bei www.ziegen-online.de findet sich ein wunderbarer Versuch:

"Ziegen sind den ganzen Tag damit beschäftigt, den Ziegenhalter auszutricksen.
Sie gehen z.B. immer nach links, weil sie das so sollen, und nutzen jede Gelegenheit, bei der kleinsten Unaufmerksamkeit nach rechts zu gehen.
Sie überlegen ständig, wie sie Zäune überwinden, Türen öffnen oder überhaupt ausbüchsen können.
Sie brechen aus, kommen „artig“ zurück, um erneut auszubrechen. Sie lernen schnell, aber nur damit sie es beim zehnten Mal ganz anders machen können. ..." (Lesen Sie hier weiter)

 






Dank Ziegen weniger Zecken

Zecken sind für Menschen gefährlich. Die kleinen Blutsauger können mit ihrem Biss die heimtückische Borreliose übertragen. Diese Krankheit schädigt das Nervensystem und verursacht Gelenkbeschwerden. Wissenschafter fanden im Auftrag der Landsstiftung Baden-Württemberg folgendes heraus: Wo Ziegen und andere Wiederkäuer grasen, gibt es etwa zehn mal weniger Zecken. Durch die Beweidung verlieren die Zecken den Schutz und vor allem auch die bevorzugte Luftfeuchte. Die Wissenschaftler haben zudem herausgefunden, dass es nicht nur weniger der kleinen Blutsauger gibt. Die Zecken sind auf beweidetem Gebiet auch fünfmal seltener mit den gefährlichen Borreliose-Erregern infiziert. Denn die Ziegen nehmen die Bakterien nicht auf. Die infizierte Zecke verliert sogar ihre Infektion (Quelle: www.dradio.de).
Was in der Studie offenbar nicht steht: Zecken sind auch für Ziegen nicht ungefährlich. So vermögen infizierte Zeckenbisse schmerzhaften Wunden zu verursachen. Sie können zudem verschiedene Krankheiten auslösen, z.B. Lahmheit (Zeckenlähme) oder Fieber (Zeckenfieber).







5 Ziegen = "Grossvieh"

Die Kennzahl der sog. "Grossvieheinheiten" ermöglicht in der Nutztierhaltung den Vergleich von Tierbeständen anhand des Tiergewichts. Sie wird in verschiedenen Bereichen als Indikator für die Nutzungsintensität beigezogen: zum Beispiel für Haltungsbewilligungen, staatliche Beiträge, Nährstoffbedarf oder Immissionsgrenzwerte.
Eine Milchkuh entspricht einer Grossvieheinheit. Damit auch kleinere Tierarten erfasst werden können, wurden Umrechnungsfaktoren festgelegt: im Bundesrecht der Schweiz bilden gemolkene Ziegen jeweils 0.2 Einheiten, andere Ziegen über 1-jährig jeweils 0.17 Einheiten und Zwergziegen in der Nutztierhaltung jeweils 0.085 Einheiten. Nicht einberechnet werden Jungziegen, die im Faktor der weiblichen Tiere berücksichtigt sind (Verordnung über landwirtschaftliche Begriffe und die Anerkennung von Betriebsformen). In Deutschland und Österreich liegen die Umrechnungswerte nach unserem Kenntnisstand leicht tiefer (vgl. z.B. den Grossvieheinheiten-Rechner KTBL) .

 






Ziegenmist mit vielen Nährstoffen

Richtig angewendet, ermöglicht verrotteter Stallmist aus dem Ziegenstall eine wirkungsvolle und kostengünstige Pflanzenernäherung. Ziegenmist weist im Vergleich zum Dung anderer Tierarten einen hohen Nährstoffgehalt aus: Stickstoff 0.4%, Phosphor 0.4%, Kalium 1.12%, Kalk 0.73%. Die Anteile an Phosphor, Kalium und Kalk im Ziegenmist sind damit doppelt so hoch wie im Mist von Schafen, Rindern und Pferden. Einzig der Stickstoffgehalt ist beim Schaf- und Pferdemist höher, was aber - je nach Verwendungsart - durchaus auch ein Vorteil sein kann.







Ziegen im Feuerwehr-Einsatz

In Kalifornien gibt es immer wieder verheerende Waldbrände. Im Kampf gegen drohende Buschbrände setzen die kalifornischen Behörden auch mehrere hundert Ziegen ein. Sie sollen feuergefährdetes trockenes Gestrüpp abgrasen und so Bränden vorbeugen. Die kostengünstige Methode wurde auch in anderen US-Staaten bereits erfolgreich getestet. In Utah und Arizona haben Ziegen zu einer deutlichen Eindämmung von Waldbränden beigetragen.
Auch Google setzt Ziegen zur Landschaftspflege ein. Neben Maschinen kommen auf dem Campus im kalifornischen Mountain View rund 200 Ziegen zum Einsatz. Die Vorteile der Ziegenbeweidung gemäss Google: Sie arbeiteten ohne Lärm und Luftverschmutzung, sie düngten gleichzeitig den Rasen und seien zudem wesentlich netter anzusehen wie Mähmaschinen. (Quelle: http://googleblog.blogspot.com)