Ziegen-Gesundheit (2)
Ziegen brauchen Zeit zum Wiederkäuen und Kräfte sammeln.
Einige Krankheiten im Überblick - Teil 2:
Vergiftungen durch Giftpflanzen
Anzeichen: Bei einer aktuten Form sind die Anzeichen Futterverweigerung, Lähmungen von Atemzentrum, Herz und Muskeln, rasender Puls. Weitere Anzeichen können Schäumen aus dem Mund, Ausspeien von geschlucktem Futter, Durchfall und Krämpfe sein. Eine chronische Form (über Wochen und Monate) zeigt sich in Appetitlosigkeit, Krämpfen, Unruhe, Gehstörungen und Leberschäden.
Ursache und Vorbeugung: Die Aufnahme von Giftpflanzen muss möglichst verhindert werden. Die Weideflächen sind deshalb regelmässig zu kontrollieren. Eine Liste der Giftpflanzen findet sich im Kapitel Weidehaltung. Vor allem in Wohnquartieren muss sichergestellt werden, dass die Tiere nicht ausbrechen können (meist Ansammlung giftiger Gartenpflanzen).
Pansenazidose (Pansenübersäuerung)
Anzeichen: Geringe bis keine Futteraufnahme, Wiederkautätigkeit verringert, Teilnahmslosigkeit, teilw. Lähmungen und Festliegen.
Ursachen und Vorbeugung: Säurebildung im Pansen durch zu hohe Aufnahme kohlenhydratreicher, rohfaserarmer Futtermittel. Zur Verhinderung der Erkrankung sind rasche Futterumstellungen zu vermeiden und kohlenhydratreiche Futttermittel stark zu begrenzen (Zuckerrüben, Getreide, Brot). Vor dem Austrieb ist insbesondere im Frühjahr Heu- und Stroh anzubieten.
Trächtigkeitstoxikose
Anzeichen: Fressunlust, schwankender Gang, Festliegen; tritt in den letzten Trächtigkeitswochen auf.
Ursachen/Vorbeugung: Energiemangel durch geringes Futteraufnahmevermögen (im letzten Drittel der Trächtigkeit), Abgabe von schwerverdaulichem, verunreinigtem oder vordorbendem Futter oder Überfütterung von niedertragenden Tieren. Zur Vorbeugung sind niedertragende Ziegen knapp, hochtragende Tiere hingegen mit energiereichem Futter zu versorgen (allerdings dosiert, ansonsten Gefahr einer Pansenazidose besteht). Zudem ist auf eine ausreichende Mineralstoffversorgung zu achten.
Lungenwürmer
Anzeichen: Trockener Husten, Atemnot, teilw. Mattigkeit
Ursache und Vorbeugung: Bei den Lungenwürmer handelt es sich um fadenförmige Parasiten, die den Darmbereich und die Lunge schädigen. Wie bei den Magen-Darmwürmern festgehalten (vgl. Durchfall) sind zur Vorbeugung "gesunde" Weiden bereitzustellen und bei grösserem Parasitendruck regelmässige Wurmkuren durchzuführen. Ausführlichere Angaben zur Parasitenbekämpfung finden sie in der entsprechenden Rubrik.
Aussenparasiten
Anzeichen: struppiges Fell, Juckreiz, teilweise Hautenzündungen und bei gewissen Parasiten auch Haarausfall
Ursache und Vorbeugung: Die Ursachen sind Räudemilben, Haarlinge, Läuse oder Zecken. Zur Vorbeugung ist eine regelmässige Säuberung des Stalles nötig. Weidetiere sollten zudem regelmässig auf Zecken abgesucht werden, insbesondere im Kopfbereich, an den Beinen (Innenseite) und am Euter. Sehr zu empfehlen ist auch ein gelegentliches Bürsten. Dies schränkt den Parasitenbefall ein und hilft einen Befall frühzeitig zu erkennen. Es ist zudem gut für die Durchblutung und schützt vor Verfilzung des Haarkleids. Ausführlichere Angaben zur Parasitenbekämpfung finden sie in der entsprechenden Rubrik.
Euterentzündung (Mastitis)
Anzeichen: Zittern und hohes Fieber, rotes, vergrössert und festes Euter (meist nur eine Euterhälfte). Die Milch ist eitrig-blutig.
Ursache und Vorbeugung: Die Entzündung kann verursacht werden durch unsaubere Stallverhältnisse (Einstreu), Euter-Verletzungen beim Weidgang, Melkenfehler (wie zum Beispiel nicht vollständiges Ausmelken), aber auch durch ruppige Lämmer beim Saugen. Entsprechend richten sich auch die Vorbeugemassnahmen auf die Stallhygiene und korrekte Melkabläufe.
CAE (Caprine Arthritis-Encephalitis)
Anzeichen: Zu den wichtigsten Krankheitsbildern von CAE gehören Gelenksentzündung und Lähmung sowie Verhärtung und Entzündung des Euters.
Ursache/Vorbeugung: Es handelt sich um eine durch Viren hervorgerufene Infektionskrankheit der Ziegen. CAE ist nicht heilbar! Der Virus ist leicht zwischen kranken und gesunden Tieren übertragbar, wobei der Ansteckungsweg über die Milch im Vordergrund steht.
Die Vorbeugung kann sich nur dahingehend ausrichten, keine CAE-positiven Tiere in die Herde aufzunehmen. Demnach sollten nur Tiere aus CAE-freien Betrieben zugekauft werden. Jeder Ziegenbetrieb erhält in der Schweiz einen CAE-Status zugewiesen, der in der Regel für ein Jahr gültig ist. CAE wird seit einigen Jahren konsequent bekämpft, mit dem Resultat, dass nur noch 1% der Betriebe oder 0.3% der Tiere CAE-positiv sind.
Pseudotuberkulose
Anzeichen: Geschwollene Lymphknoten (an Kopf und Hals, in den Kniefalten und am Euter). Die Knoten können bei einem fortgeschrittenen Krankheitsstadium aufbrechen, wobei ein dickes, eitriges Sekret heraustritt.
Ursache/Vorbeugung: Die Krankheit wird durch eine Bakterien-Infektion hervorgerufen. Die Übertragung erfolgt über Hautverletzungen, durch das Maul oder bei Lämmern über den Nabel. Eine wichtige Vorbeugungsmassnahme bildet die Sicherstellung einer guten Stallhygiene. Zudem sind die Tiere vor dem Kauf auf Lymphknotenschwellungen zu untersuchen.
Weitere Angaben zum Krankheitsbild und zur Seuchenlage finden Sie unter www.bvet.admin.ch/gesundheit_tiere
Moderhinke (Klauenentzündung)
Anzeichen: Schmierige, übelriechende Flüssigkeit im Zwischenklauenspalt; die Moderhinke ist mit erheblichen Schmerzen für die Ziegen verbunden, die hinken oder knien gar beim Weiden.
Ursache und Vorbeugung: Es handelt sich um Bakterien, die sich in Hohlräumen zwischen Horn und Fleisch der Klauen einnisten. Zur Vorbeugung ist eine konsequente Klauenpflege zu betreiben (idealerweise alle 2 Monate, mindestens jedoch zweimal pro Jahr, Jungtiere ab dem 4. Monat). Zudem sind stark vermoste, nasse oder überdüngte Weiden zu meiden. Ebenso ist darauf zu achten, dass das Einstreu nicht feucht ist. Neue Tiere sollten nur mit frisch geschnittenen, gesunden Klauen übernommen werden. Verseuchte Bestände sind zu meiden!
Seien Sie sorgsam!
Dies waren nur einige Beispiele möglicher Gesundheitsstörungen von Ziegen. Die Liste potentieller Krankheiten ist lang und füllt ganze Bücher.
Beachten Sie die allgemeinen Grundsätze für die Gesunderhaltung der Ziegen und beobachten Sie sorgsam Ihre Tiere, damit Sie bei Bedarf zeitgerecht den Tierarzt rufen können. Denn Krankheiten und Unfälle lassen sich - auch bei der besten Haltung - nie völlig ausschliessen.