Melken



Wer sich das erste Mal an das Melken wagt, sollte sich von einem geübten Melker einweisen lassen oder zumindest vorgängig ein Fachbuch konsultieren. Denn so einfach wie es aussieht, ist das Melken von Ziegen nicht. Unsachgemässes Melken gefährdet die Gesundheit des Tieres und frustriert den Melkenden.

Die Milch bildet sich während 24 Stunden, wobei die Menge in der Nacht leicht grösser ist. Wichtig ist deshalb, dass täglich in regelmässigen Abständen und zu gleichen Zeiten gemolken wird. Gängigerweise wird zweimal im Tag gemolken. Die Melkintervalle sollten dabei jeweils rund 12 Stunden betragen, wobei leichte Abweichungen (z.B. 10 und 14 Stunden) durchaus möglich sind.

Zur Vorbereitung des Melkens gehört das „Anrüsten“. Der Euter wird dabei mit beiden Händen massiert. Bei Tieren, die mit der Milch zurückhalten, hilft es, leicht mit der flachen Hand zwischen die Zitzen gegen den Euterboden zu klopfen. Dadurch wird das Stossen der Lämmer nachgeahmt.


Ziegen werden von hinten oder von der Seite gemolken. Zunächst wird ein Strahl Milch in einen separaten Becher gespritzt. Die ersten Milchstrahlen sind meist bakterienreich. Zudem lassen sich an der Milch krankheitsbedingte Veränderungen feststellen.

Die bevorzugte Melkart ist das sogenannte Faustmelken. Mit Daumen und Zeigefinger drückt man die Zitze an ihrer Euteransatzstelle zusammen und bildet durch Schliessen der weiteren Finger eine Faust, sodass die Milch aus der Strichöffnung herausspritzt. Dieser Vorgang wird abwechslungsweise an beiden Zitzen wiederholt, bis das Euter gründlich ausgemolken ist. Bleibt Milch zurück, besteht die Gefahr von Euterentzündungen. Ein geübter Melker benötigt lediglich rund zwei Minuten für eine Ziege.

 

Eine Alternative zum Handmelken bildet das Maschinenmelken. Ein Zeitgewinn wird allerdings erst ab einer Herde von rund 30 Tieren erreicht. Die Vorbereitung des Geräts, das Aufsetzen und Abnehmen des Melkbechers und die Kontrolle wie auch die Reinigung benötigt einen nicht zu unterschätzten Zeitaufwand. Als "Kompromiss" zum Handmelken wird teilweise der Betrieb einer Eimermelkanlage empfohlen, die sich für einen Bestand von 10-30 Tieren eignen kann.

Für milchproduzierende Ziegenhalter wird das sog. "Durchmelken" zunehmend ein Thema. Im Vordergrund stehen hier wirtschaftliche Überlegungen. Mit dem Verzicht auf die Deckung der Tiere sollen die Milchprodukte ganzjährig angeboten werden können, insbesondere in den finanziell interessanteren Wintermonaten. Zudem gestaltet sich die Vermarktung von Zicklein nicht selten schwierig. Die Milchmenge ist über die Jahre ohne Nachwuchs zwar rückläufig. Zwei bis drei Jahre können jedoch die meisten Ziegen(rassen) ohne relevante Einbussen durchgemolken werden. Für einen konstanten Milchertrag sollte deshalb mindestens ein Drittel der Herde im Turnus gedeckt werden. Auf Milchqualität und Verarbeitungseigenschaften hat hingegen auch ein mehrjähriges Durchmelken keine Auswirkungen.

Mit Blick auf den Arbeitsaufwand wird das einmalige Melken pro Tag (sog „Monotraite“) wohl an Bedeutung gewinnen. In der Zeitschrift „la chèvre“ publizierte Untersuchungen haben ergeben, dass die Produktionsminderung im Durchschnitt lediglich 15-20% ausmacht. Die einzelnen Ziegen reagieren allerdings unterschiedlich. Der Milchrückgang variiert zwischen 5 und 40%. Bei erstlaktierenden Ziegen sind generell grössere Einbussen festzustellen.
Der Übergang zum einmaligen Melken wird als weitgehend unproblematisch beschrieben. Voraussetzung sind jedoch ein guter Allgemeinzustand und eine hervorragende Eutergesundheit. Die Untersuchungen haben auch gezeigt, dass es mit Blick auf den Milchertrag vorteilhafter ist, erst einige Wochen nach dem Ablammen umzustellen.
Die hohe Anpassungsfähigkeit der Melkfrequenz wird durch die Grösse der Milchzisternen der Ziegen ermöglicht. Gemäss der Zeitschrift Schafzucht liegt die Aufnahmekapazität der Zisternen bei beeindruckenden 70-90 Prozent des Eutervolumens (Schafe 50%, Rinder 10-20%).

Wichtige Angaben rund ums Melken finden Sie auf der Internetseite der Fachstelle Kleinvieh des Kantons St. Gallen mit den Merkblättern zur Verhinderung von Keimproblemen und zur Eutergesundheit.