Stallhaltung
Checkliste für eine tiergerechte Stallhaltung
Folgende Elemente zeichnen einen tiergerechten Ziegenstall, der auch für gehörnte Tiere geeignet ist, aus:
- Zweiraumlaufstall
- mindestens 1.5m2 Liegefläche/Ziege
- Laufhof
- Fangfressgitter (Palisade für Behornte)
- Fressplatzbreite mindestens 0.45m/Tier
- erhöhte Liegenischen
- Klettermöglichkeit
Diese Checkliste findet sich neben weiteren Angaben zur Haltung behornter Ziegen in der Schafzucht 15/06.
Ein tiergerechter Stall hat dem starken Bewegungsdrang der Ziegen Rechnung zu tragen. Stall wie Auslauf sollten deshalb möglichst grosszügig dimensioniert werden. Eine Studie der Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon ART zeigt auch auf, dass der Friede im Stall stark von der Inneneinrichtung abhängt. Sichtschutzwände, Podeste und Liegenischen schaffen generell mehr Ausweichmöglichkeiten für die Ziegen. Sie vermindern damit Aggressionen durch Rangkämpfe und erleichtern den rangniederen Tieren den Zugang zum Futter. Damit Zwischenwände und Podeste aber ihre Wirkung entfalten können, sollten sie gemäss der Studie eine gewisse Länge bzw. Höhe aufweisen. Positive Resultate wurden erzielt mit geschlossenen Zwischenwänden von 1.10 m und Podesten mit einer Höhe ab 0.5 bei unbehornte bzw. ab 0.8m bei behornten Ziegen.
Es gibt verschiedene geeignete Bauweisen für einen guten Ziegenstall. Oftmals werden auch bestehende Gebäulichkeiten umgenutzt und umgebaut. Die nachstehende Darstellung zeigt eine Ideenskizze einer möglichen Ausgestaltung:
Wichtig ist die klare Trennung der Aktivitätsbereiche (Liege- und Fressbereich), um Störungen der Ziegen beim wichtigen Ruhen zu vermeiden. Im Liegebereich werden Liegenischen angelegt, die im Idealfall auf zwei oder gar mehreren Etagen angebracht sind. Damit beim Fressen genügend Raum zum Ausweichen besteht, sollte das Futter an verschiedenen Orten angeboten werden.
Die Futterstellen sollten insgesamt deutlich mehr Fressplätze bieten als Ziegen vorhanden sind. Generell sind im Stall Engpässe zu vermeiden. Insbesondere der Ausgang in Laufhof sollte grosszügig ausgestaltet sein. Ist dies nicht möglich, sind mehrer Ausgänge vorzusehen. Der Laufhof ist mit Klettermöglichkeiten, Kratzbürsten und allenfalls einer weiteren Heuraufe auszustatten.
Ebenfalls wichtig für den Stallfrieden sind stabile Gruppenzusammensetzungen. Speziell zwischen gemeinsam aufgewachsenen Tieren ist das Distanzbedürfnis geringer, was spürbar zur Ruhe im Stall beiträgt.
Das A und O: ein gutes Ziegenstall-Klima!
Beim Bau oder Umbau eines Ziegenstalles ist auf das geeignete Stallklima zu achten. Ein guter Ziegenstall ist hell, trocken und gut belüftet.
Die Lichtverhältnisse sind vor allem dann wichtig, wenn die Tiere nicht stets ins Freie können. Zur Beurteilung des Lichts wird jeweils der Zeitungslesetest empfohlen. Wenn Sie Ihre Zeitung ohne Mühe lesen können, sind auch die Ziegen mit dem Licht zufrieden.
Im Stall ist für ausreichend Frischluft zu sorgen, damit der Ammoniak- und Schwefelwasserstoffanteil tief gehalten werden kann. Dies erfordert eine gute Be- und Entlüftung. Aber achten Sie darauf, dass keine Zugluft ensteht. Ziegen reagieren äusserst empfindlich auf Durchzug!
Und wie hoch darf die Luftfeuchtigkeit sein? Sie sollte sich zwischen 50 und 70 % bewegen, auf keinen Fall aber mehr als 80% betragen. Ein einfacher Hygrometer (Feuchtigkeitsmesser) im Stall gibt dazu die nötigen Angaben. Die Idealtemperatur im Stall liegt zwischen 8 und 18°C. Ziegen ertragen aber durchaus auch Temperaturen bei 0°, sofern ein trockenes und zugfreies Lager sichergestellt ist
Anforderungen an die Stallhygiene
Neben dem Stallklima ist die Stallhygiene ein weiterer wesentlicher Faktor für die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Tiere. Die Reinigung des Stalles sollte täglich erfolgen. Dabei sind Kotablagerungen, Futterreste und verschmutztes Einstreu zu beseitigen. Eine gründliche Reinigung erfahren auch alle Wasserbecken, Futtereimer und Raufen.
Wer sich für einen Tieflaufstall entscheidet, mistet den Stall ein bis zweimal im Jahr aus. Der Stall wird bis in die letzte Ecke ausgemistet, gereinigt und desinfiziert. Dieser Aufwand sollte nicht unterschätzt werden. Tiefstreu eignet sich im Übrigen nur für Ställe, die über eine gute Lüftung verfügen. Die Strohmatraze muss zudem konsequent mit frischem und saugfähigem Stroh aufgefüllt werden, um ein trockenes und sauberes Lager für die Ziegen sicherzustellen.
Zur Stallhygiene gehört schliesslich auch die Bekämpfung von Fliegen und Mäusen. Sie sind potentielle Träger von Krankheitserregern. Fliegen sind zudem bei grösserem Aufkommen eine erhebliche Belästigung für die Tiere.


