Weidehaltung
"Weidemanager" sind gefragt
Wer die Möglichkeit hat, sollte für eine gute Futteraufnahme und zum Schutz vor Parasiten die Weiden seiner Ziegen regelmässig wechseln. Ein Richtwert bildet die 10/30-Regel: Die Weide wird für 10 Tage beweidet und danach mindestens 30 Tage von den Tieren nicht mehr betreten. Diese Rotation entspricht dem durchschnittlichen Graswachstum und hilft, das Parasitenaufkommen zu beschränken. Bei Bedarf kann die Beweidungdauer noch verstärkt auf den Vegetationsstand ausgerichtet werden. In diesem Fall schwanken die Ruhephasen zwischen zwei Wochen im Frühjahr und sechs Wochen im Herbst. Bei kurzen Ruhephasen des Weidelandes von unter einem Monat ist die Beweidungdauer auf zwei bis vier Tage zu beschränken.
Wenn das Gras auf der Wiese zu hoch ist, wird es von den Ziegen weitgehend verschmäht. Eine Ziegenherde in eine hochgewachsene Weide hineinzuschicken bringt damit nur Ärger. Das Gras wird kaum gefressen und niedergetreten, wodurch das unumgängliche Abmähen nach der Beweidung wesentlich erschwert wird. Generell sollte nach der Beweidung die Wiese konsequent ab- bzw. nachgemäht werden. Geschieht dies nicht, werden die von Ziegen geliebten und deshalb abgefressenen Gräser und Kräutern vom unbeliebten Bewuchs immer mehr verdrängt. Zudem hilft der Schnitt im Kampf gegen Parasiten.
Grosse Bäume werden gemieden
Die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft begleitete einen Versuch, in dem Ziegen in einem geschlossenen Waldbestand gelassen wurden. Das Ergebnis war, dass die Jungbäume fast vollständig vernichtet wurden und sich die Krautschicht veränderte, dickere Bäume jedoch nicht beschädigt wurden. Ziegen schädigen in der Regel keine Bäume ab 25-30 cm Brusthöhendurchmesser. Bei den Kräutern und Gräsern sind 10 Arten verschwunden 13 Arten neu hinzugekommen (hauptsächlich typische Wiesengräser und Kräuter). Die Beweidung mit Ziegen hatte somit auch eine beträchtliche Änderung in der Zusammensetzung der Vegetation zur Folge. Die Waldweide mit Haustieren ist in der Schweiz gesetzlich verboten (Der Originalartikel zu diesem Thema kann bei www.waldwissen.net heruntergeladen werden).
Ein guter Ziegenzaun: hoch und stabil
Falsche Sparsamkeit bei der Einzäunung kann einem die Freude an der Ziegenhaltung rasch vergällen. Normale Zäune gelten für Ziegen ab 1.50m als sicher. Gleichzeitig ist für Stabilität, namentlich im unteren Teil des Hages, zu sorgen, um ein Durchschlüpfen zu verhindern. Elektrozäune für Ziegen sind 1,10m bis 1,20m hoch mit 5 oder 6 Drähten. Bei einem bestehenden Festzaun, der nicht die erforderliche Höhe besitzt, kann die Hütesicherheit mit ein bis zwei Stromlitzen am oberen Ende der Zaunpfähle wesentlich erhöht werden.
Weidezaunnetze sind dank ihrer einfachen Handhabung zwar praktisch. Sie haben aber nicht dieselbe Sicherheit wie Festzäune und gelten auch als nicht ungefährlich. Sowohl die gehüteten Ziegen wie auch Wildtiere können sich in den Netzen verfangen. Vermögen sie sich nicht zu befreien, erleiden sie unter den dauernden Stromstössen einen grausamen Tod. Weidezaunnetze sollten deshalb nur für temporäre Weiden oder kurzzeitige Weideunterteilungen verwendet werden. Zudem ist beim Kauf auf eine gute Qualität/Stabilität zu achten. Ziegen benötigen eine Netzhöhe von 105 cm (keine Schafnetze mit 90cm verwenden!). Um Unfälle möglichst zu vermeiden, sollten die Netze niemals ohne Weidezaungerät (Strom) benutzt und stets gut gespannt sein. Weidezaunnetze sind - im Vergleich zu anderen Elektrozäunen - schlechte Stromleiter und benötigen deshalb besonders starke Weidezaungeräte (12 Volt- oder Netzgerät). Denn die Hütespannung sollte an allen Orten rund 4000 Volt erreichen, auf keinen Fall aber unter 3000 Volt liegen. Jungtiere sollten schliesslich unter Beobachtung an die besondere Einzäunung gewöhnt werden.
Das Weidezaungerät muss bei allen Zaunarten genügend Leistung für Länge und Bewuchs aufbringen und regelmässig kontrolliert werden. Zum Schutz der Spaziergänger ist ein Elektrozaun zudem mit gut sichtbaren Warntafeln zu versehen.
Der Streben der Tiere auf die andere Seite des Zauns nimmt deutlich zu, wenn die Weide abgegrast ist. Nicht von ungefähr gilt deshalb auch für Ziegen die alte Weisheit: „Der beste Zaun ist eine gute Weide!“
Vorsicht vor Giftpflanzen!
Manche Pflanzen oder Sträucher enthalten Giftstoffe. Deren Aufnahme verursachen bei Ziegen gesundheitliche Störungen oder den Tod. Sie führen zu Durchfall, Krämpfen, Lähmungen des Atemzentrums und Herzstillstand. Vergiftungen sind bei Ziegen seltener als bei anderen Tieren. Meist lassen die Tiere diese Pflanzen links liegen. Trotzdem ist Vorsicht angebracht. Die Aufnahme giftiger Pflanzen muss nach Möglichkeit verhindert werden. Eine regelmässige Überprüfung der Weideflächen ist deshalb wichtig.
Als für Ziegen giftig gelten insbesondere folgende Pflanzen: Adlerfarn - Akelei - Alpenrose - Avocado - Riesen Bärenklau - Eibe - (unreife) Eicheln - Eisenhut (blauer oder gelber) - Fingerhut - Goldhafer - Hahnenfuss - Herbstzeitlose - Herkulesstaude - Knoblauch - Kohl (Markstammkohl) - Kreuzkraut-Arten - Kuhschelle - Lebensbaum (Thuja) - Maiglöckchen Merk - Breitblättriger - Oleander - Pfaffenhütchen - Rhododendron - Rizinus - Rosmarinheide - Sadebaum - Japanischer Schnurbaum - Schwertlilie - Sonnenblume - Stink-Wacholder - Sumpf-Dotterblume - Sumpfschachtelhalm - Tabak - Waldrebe - Wasserfenchel - Wasserschierling - Weisser Gerner - Wiesen-Schafgarbe - Wolfsmilch.
Die meisten Giftpflanzen erzeugen erst bei der Aufnahme grösserer Mengen ihre schädliche Wirkung für die Tiere. Als besonders giftig gelten Eibe, Rhododendron, Eisenhut, Kreuzkrautarten, Sumpfschachtelhalm und Weisser Gerner. Sind Anzeichen von Vergiftungen festzustellen, sollten die Tiere gemäss BGK nicht gefüttert werden, damit die Giftstoffe nicht mit der Nahrung in den Körper kommen. Wichtig ist aber, dass genügend Wasser bereit gestellt wird. Die Behandlung durch den Tierarzt richtet sich nach den Krankheitsanzeichen.
Links zu Giftpflanzen-Datenbanken:
- Institut für Veterinärpharmakologie und -toxikologie Zürich
- Botanikus (mit Bildern der Giftpflanzen)
Energiebedarf für die Futtersuche einkalkulieren
Wer sich viel bewegt, braucht mehr Energie. Dies gilt auch für Ziegen. Der Energiebedarf kann gegenüber der Stallhaltung deutlich höher sein: zwischen 25% auf üblichen Weiden bis zu 75% im Gebirge. Dies hat auch Einfluss auf die Milchmenge. Denn die Futteraufnahme kann nicht unbeschränkt gesteigert werden. Oftmals wird versucht, mit Kraftfuttergaben den höheren Energiebedarf zu decken, meist in zwei Portionen morgens und abends. Eine Abgabe mit Bedacht ist unproblematisch. Sollen hingegen grössere Mengen verfüttert werden, muss dies in möglichst vielen Portionen geschehen. Denn die unvermittelte Gabe grössere Mengen kann eine akute Pansenübersäuerungen mit tödlichem Ausgang auslösen. Meist kommt es nicht soweit. Es entstehen aber sog. subklinische Pansenübersäuerungen, welche die Funktionsfähigkeit des Pansens stören und mangels auffällger Symptome vom Tierhalter übersehen werden.
Generell müssen weidehaltende Ziegenhalter in besonderem Mass darauf achten, eine der Leistungssituation angepasste Fütterung sicherzustellen. Dies gilt insbesondere für die Rohfaser-, Mineral- und Spurenelementversorgung. Letztlich erreichen weidehaltende Betriebe aber immer eine geringere Milchleistung wie Betriebe mit ganzjähriger Stallhaltung. Sie können jedoch für sich in Anspruch nehmen, eine tiergerechtere Ziegenhaltung zu betreiben. Und wir finden: Glücklichere Tiere geben auch bessere Produkte! (Quelle: Gabriele Deinhofer, Gesunde Ziegen durch optimales Weidemanagement).
Die nachfolgende Tabelle zeigt den zusätzlichen Energieaufwand beim Weidegang abhängig von Gewicht, zurückgelegter Wegstrecke und bestehendem Höhenunterschied in MJ ME/Tier:
| Lebend-masse |
Erhaltungs- bedarf |
Wegstrecke 3 km bei Höhendifferenz | Wegstrecke 6 km bei Höhendifferenz |
| 0 m | 200 m | 0 m | 200 m | ||
| 50 kg | 8,5 | 0,5 | 0,68 | 0,99 | 1,18 |
| 60 kg | 9,7 | 0,6 | 0,82 | 1,19 | 1,41 |
| 70 kg | 10,9 | 0,7 | 0,96 | 1,39 | 1,65 |
| 80 kg | 12,0 | 0,79 | 1,09 | 1,59 | 1,89 |
Quelle: Gesellschaft f. Ernährungspsychologie: Recommendations for the supply of energy and nutrients to goats



