Ziegen-Gesundheit

Ziegen sind robuste Tiere, doch auch sie sind vor Krankheiten nicht gefeit. Nachfolgend finden Sie Hinweise, wie Sie die Gesundheit Ihrer Tiere fördern und Krankheitssymptome frühzeitig erkennen können.

Behandlungsratschläge finden Sie hier bewusst keine: Bei Verdacht auf ernsthafte Gesundheitsstörungen empfehlen wir, nicht selbst herumzulaborieren, sondern unverzüglich den Tierarzt zu konsultieren.

Tierärzte für Katzen und Hunde gibt es viele – für Ziegen ist es hingegen wesentlich schwieriger, eine kompetente Betreuung zu finden. Suchen Sie deshalb frühzeitig nach einem geeigneten Tierarzt, noch bevor ein akuter Handlungsbedarf besteht.


Woran erkenne ich Gesundheitsstörungen?

Wenn sich das Verhalten eines Tieres plötzlich ändert, gilt es genau hinzusehen. Schmerzen äussern sich häufig durch wiederholtes Hinlegen und Aufstehen in steter Folge oder durch Zähneknirschen. Auch Fressunlust und Teilnahmslosigkeit sind typische Warnsignale, ebenso ein stumpfes, struppiges Haarkleid oder trockener Husten.

Schwanken und Lahmen deuten auf Probleme mit dem Bewegungsapparat oder dem Kreislauf hin. Fehlende Pansengeräusche weisen auf Verdauungsstörungen hin – normalerweise sollten bei gesunden Tieren etwa zwei Geräusche in drei Minuten hörbar sein, wenn man das Ohr an die linke Flanke hält.

Auch die Ohren geben Aufschluss über den Gesundheitszustand: Sind sie auffällig kalt oder heiss statt angenehm warm, kann dies auf Kreislaufstörungen hindeuten.

Schliesslich sollte auch die Beschaffenheit des Kots regelmässig beobachtet werden – Abweichungen von der üblichen Konsistenz sind oft ein frühes Anzeichen für gesundheitliche Probleme


Normalwerte erwachsener Ziegen

Körpertemperatur 38,2–39,5 Grad Celsius
Herzfrequenz 70–90 Schläge pro Minute
Atmung 20–30 Atemzüge pro Minute
Pansentätigkeit 2 Geräusche in drei Minuten

Pansentätigkeit prüfen: das Ohr an die linke Flanke halten.


Was kann ich für die Gesunderhaltung tun?

Der Ziegenhalter kann einiges für die Gesunderhaltung tun:

  • Fütterung

    - Beschränkung kohlenhydratreicher Futtermittel

    - Verabreichung von genügend Raufutter (mit guter Qualität) -

    - Beachtung des Vitamin- und Mineralstoffbedarfs

    - Verzicht auf abrupte Futterumstellungen

  • Stall und Hygiene

    - Bau eines trockenen und gut belüfteten Stalles

    - Sicherstellen der Stall- und Melkhygiene

    - Stallhaltung im Winter (Ziegen sind witterungsempfindlicher als andere Weidetiere!)

  • Pflege

    - Regelmässige Klauenpflege

    - Konsequente Parasitenuntersuchung und -behandlung

  • Weide

    - Vorausschauende Weideplanung

    - Vermeidung mastiger Weiden

  • Jungtiere

    Zureichende Versorgung mit Biest- und Muttermilch

  • Allgemein

    Vermeidung von Stresssituationen für die Tiere


Vorsicht beim Zukauf

Beim Zukauf neuer Tiere besteht immer die Gefahr, Parasiten und Krankheiten einzuschleppen. Halten Sie neue Tiere deshalb nach Möglichkeit zunächst in Quarantäne, um eine Entwurmung vorzunehmen und allfällige Krankheiten zu erkennen. Beachten Sie auch, dass eine veränderte Herdenstruktur für alle Tiere Stress bedeutet, der sich negativ auf Milchleistung und Gesundheit auswirken kann. Worauf Sie bei der Auswahl der Tiere achten sollten, erfahren Sie im Beitrag Augen auf beim Ziegenkauf.


Was gehört in die Stallapotheke?

Jeder Ziegenstall sollte über eine Stallapotheke für die wichtigsten Handgriffe verfügen. Befragen Sie zur geeigneten Zusammenstellung auch Ihren Tierarzt – und stellen Sie sicher, dass Sie alle Geräte und Arzneien richtig anwenden können.

Geräte & Hilfsmittel

  • Fieberthermometer
  • Schlundrohr für Blähungen
  • Beissholz
  • Einwegspritzen in verschiedenen Grössen zum Einflössen flüssiger Arzneimittel
  • Schere, Pinzette und Messer
  • Verbandsmaterial
  • Klauenbesteck
  • Klauenschuh für verletzte Füsse
  • Einweghandschuhe

Heilmittel & Arzneien

  • Jodtinktur
  • Wunddesinfektionsspray
  • Wundsalbe
  • Kampfersalbe bei Entzündungen, Schwellungen und Verstauchungen
  • Kohletabletten oder ein vergleichbares Mittel gegen Durchfall
  • Eutersalbe durchblutungsfördernd und entzündungshemmend
  • Insektizid gegen Fliegen, Bremsen und andere Aussenparasiten

Um Panikreaktionen zu vermeiden, sollten Einzelbehandlungen in Sicht- und Hörkontakt zur Herde erfolgen. Halten Sie die Apotheke entsprechend vor Ort bereit.


Impfungen

Für Ziegen sind nur wenige Impfstoffe registriert (Stand: BGK Forum 3/2010). Gegen Lippengrind existiert ein Impfstoff, der allerdings nur ausserhalb der Trächtigkeit angewendet werden darf. Ein Kombinationsimpfstoff schützt gegen die Breinierenkrankheit (Enterotoxämie) und Pasteurellose, wobei ein wirksamer Schutz gegen Breinieren eine Wiederholungsimpfung alle sechs Monate erfordert. Der Tollwut-Impfstoff ist zwar registriert, wird aber aufgrund der geringen Tollwutgefahr kaum angewendet. Zusätzlich können für Schafe zugelassene Impfstoffe vom Tierarzt umgewidmet werden, etwa gegen Blauzungenkrankheit, Chlamydien-Abort, Moderhinke oder Tetanus.

Wichtig zu wissen: Impfungen wirken bei Ziegen generell weniger anhaltend als bei anderen Tierarten, da die Antikörperbildung geringer ausfällt. Sie müssen daher häufiger wiederholt werden.


Meldepflicht bei Seuchen

Wer Ziegen hält oder betreut, ist verpflichtet, den Ausbruch einer Seuche und jede verdächtige Erscheinung unverzüglich einem Tierarzt zu melden. Die Bekämpfungsmassnahmen richten sich nach Art und Ausbreitung der Tierseuche.

Bei hochansteckenden Seuchen wie der Maul- und Klauenseuche oder Schaf- und Ziegenpocken gelten die strengsten Massnahmen. Zu den auszurottenden Seuchen zählen Tollwut, Brucellose, CAE, infektiöse Agalaktie und die Traberkrankheit. Salmonellose, Blauzungenkrankheit und Leptospirose gehören zu den aktiv zu bekämpfenden Seuchen. Schliesslich gibt es noch die zu überwachenden Seuchen wie Paratuberkulose, Listeriose, Lungenseuche, Coxiellose, Pseudotuberkulose, Lungenadenomatose, Toxoplasmose und Kryptosporidiose.

Die aktuellsten Angaben finden sich in der Tierseuchenverordnung des Bundes.


Krankheiten im Überblick

Durchfall
Anzeichen

Breiiger bis flüssiger Kot.

Mögliche Ursachen
  • Futterumstellung (z. B. erster Weidegang): Tiere vor dem Weidegang tränken und mit Heu füttern.
  • Magen-Darm-Würmer: Verbunden mit starker Abmagerung, für Jungtiere sehr gefährlich.
  • Vergiftung: Weiden regelmässig auf Giftpflanzen kontrollieren.
Vorbeugung

Häufige Weidewechsel, beweidete Flächen nachmähen, feuchte Wiesen meiden, neue Tiere sofort entwurmen, konsequente Stallhygiene. Bei grösseren Beständen werden zweimal jährlich Wurmkuren empfohlen (Frühjahr und Spätherbst).

Blähungen
Anzeichen

Aufgetriebener Bauch durch erhöhte Gasbildung im Pansen, besonders linksseitig stark vorgewölbt; häufig gekrümmter Rücken und gesenkter Kopf.

Ursache

Gieriges Fressen blähender Futtermittel.

Vorbeugung

Zu frisches oder feuchtes Futter sowie mastige, kleeartige Weiden vermeiden. Falls keine Ausweichflächen vorhanden sind, Fresszeit begrenzen. Vor dem Weidegang Raufutter verfüttern.

Breinierenkrankheit (Enterotoxämie)
Anzeichen

Schwanken, Lähmungen, Durchfall; oft rascher, tödlicher Verlauf.

Ursache

Bakterien, die bei zu eiweissreicher Ernährung den Körper vergiften; vor allem Jungtiere sind gefährdet.

Vorbeugung

Allzu eiweissreiche Fütterung vermeiden (Kraftfutter, Klee, Hafer), genügend Raufutter anbieten, überdüngte Weiden meiden. Lämmer können geimpft werden.

Lahmen
Anzeichen

Hinken.

Mögliche Ursachen
  • Fremdkörper im Zwischenklauenspalt (Steine, Holzstücke): Im Stall und Auslauf nichts auslegen, was sich leicht verfangen kann. Gangart der Tiere beobachten, Fremdkörper rasch entfernen.
  • Moderhinke: Siehe separates Krankheitsbild weiter unten.
Vergiftungen durch Giftpflanzen
Anzeichen (akut)

Futterverweigerung, Lähmungen, rasender Puls, Schäumen aus dem Mund, Durchfall, Krämpfe.

Anzeichen (chronisch)

Appetitlosigkeit, Krämpfe, Unruhe, Gehstörungen, Leberschäden.

Vorbeugung

Weideflächen regelmässig kontrollieren. In Wohnquartieren sicherstellen, dass Tiere nicht ausbrechen können (Gefahr durch giftige Gartenpflanzen).

Pansenazidose (Pansenübersäuerung)
Anzeichen

Geringe bis keine Futteraufnahme, verminderte Wiederkautätigkeit, Teilnahmslosigkeit, teilweise Lähmungen und Festliegen.

Ursache

Zu hohe Aufnahme kohlenhydratreicher, rohfaserarmer Futtermittel.

Vorbeugung

Rasche Futterumstellungen vermeiden, kohlenhydratreiche Futtermittel stark begrenzen (Zuckerrüben, Getreide, Brot). Vor dem Austrieb – besonders im Frühjahr – Heu und Stroh anbieten.

Trächtigkeitstoxikose
Anzeichen

Fressunlust, schwankender Gang, Festliegen; tritt in den letzten Trächtigkeitswochen auf.

Ursache

Energiemangel durch geringes Futteraufnahmevermögen im letzten Trächtigkeitsdrittel; auch durch schwer verdauliches, verunreinigtes oder verdorbenes Futter sowie Überfütterung niedertragender Tiere.

Vorbeugung

Niedertragende Ziegen knapp, hochtragende Tiere mit energiereichem Futter versorgen (dosiert, sonst Gefahr einer Pansenazidose). Auf ausreichende Mineralstoffversorgung achten.

Lungenwürmer
Anzeichen

Trockener Husten, Atemnot, teilweise Mattigkeit.

Ursache

Fadenförmige Parasiten, die Darm und Lunge schädigen.

Vorbeugung

«Gesunde» Weiden bereitstellen, bei grösserem Parasitendruck regelmässige Wurmkuren durchführen.

Aussenparasiten
Anzeichen

Struppiges Fell, Juckreiz, teilweise Hautentzündungen und Haarausfall.

Ursache

Räudemilben, Haarlinge, Läuse oder Zecken.

Vorbeugung

Stall regelmässig säubern. Weidetiere regelmässig auf Zecken absuchen (Kopfbereich, Beininnenseiten, Euter). Gelegentliches Bürsten schränkt den Parasitenbefall ein, fördert die Durchblutung und schützt vor Verfilzung.

Euterentzündung (Mastitis)
Anzeichen

Zittern und hohes Fieber; rotes, vergrössertes und festes Euter (meist nur eine Hälfte); eitrig-blutige Milch.

Ursache

Unsaubere Stallverhältnisse, Euterverletzungen beim Weidegang, Melkfehler (z. B. unvollständiges Ausmelken), ruppige Lämmer beim Saugen.

Vorbeugung

Stallhygiene sicherstellen, korrekte Melkabläufe einhalten.

CAE (Caprine Arthritis-Encephalitis)
Anzeichen

Gelenksentzündung, Lähmungen, Verhärtung und Entzündung des Euters.

Ursache

Durch Viren hervorgerufene Infektionskrankheit; Übertragung hauptsächlich über die Milch. CAE ist nicht heilbar!

Vorbeugung

Nur Tiere aus CAE-freien Betrieben zukaufen. Jeder Ziegenbetrieb in der Schweiz erhält einen CAE-Status (in der Regel für ein Jahr gültig). Dank konsequenter Bekämpfung sind heute nur noch etwa 1 % der Betriebe bzw. 0,3 % der Tiere CAE-positiv.

Moderhinke (Klauenentzündung)
Anzeichen

Schmierige, übelriechende Flüssigkeit im Zwischenklauenspalt; erhebliche Schmerzen – Tiere hinken oder knien beim Weiden.

Ursache

Bakterien, die sich in Hohlräumen zwischen Horn und Fleisch der Klauen einnisten.

Vorbeugung

Konsequente Klauenpflege (idealerweise alle 2 Monate, mindestens zweimal jährlich; Jungtiere ab dem 4. Monat). Stark vermoste, nasse oder überdüngte Weiden meiden. Auf trockenes Einstreu achten. Neue Tiere nur mit frisch geschnittenen, gesunden Klauen übernehmen. Verseuchte Bestände meiden!

Pseudotuberkulose
Anzeichen

Geschwollene Lymphknoten (Kopf, Hals, Kniefalten, Euter); im fortgeschrittenen Stadium können die Knoten aufbrechen und dickes, eitriges Sekret absondern.

Ursache

Bakterien-Infektion; Übertragung über Hautverletzungen, durchs Maul oder bei Lämmern über den Nabel.

Vorbeugung

Gute Stallhygiene sicherstellen. Tiere vor dem Kauf auf Lymphknotenschwellungen untersuchen.

Dies sind nur einige Beispiele möglicher Gesundheitsstörungen. Die Liste potenzieller Krankheiten ist lang und füllt ganze Bücher. Beachten Sie die allgemeinen Grundsätze zur Gesunderhaltung und beobachten Sie Ihre Tiere aufmerksam, damit Sie bei Bedarf rechtzeitig den Tierarzt rufen können. Denn Krankheiten und Unfälle lassen sich – auch bei bester Haltung – nie völlig ausschliessen.


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